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Die Richtung stimmt - am Equal Pay Day

Elisabeth Vondrasek: "Freiwillige Verhaltensregeln und reine Selbstverpflichtung der Unternehmen reichen aber nicht aus."

Die Geschwindigkeit allerdings nicht: Einkommensberichte sind ein erster Schritt zu mehr Einkommensgerechtigkeit. Aber weitere Maßnahmen sind notwendig, um der Vielfalt endlich gerecht zu werden.

"Es wäre eine Schande, wenn wir uns im 21. Jahrhundert damit zufriedengeben würden, dass der ,Equal Pay Day‘ im Vergleich zum Vorjahr heuer um nur fünf Tage später im Kalender auf den 4. Oktober fällt", sagt FSG-Frauenvorsitzende Elisabeth Vondrasek.

Der Equal Pay Day ist jener Tag im Jahr, ab dem Frauen bis zum Ende des Jahres quasi "gratis" arbeiten - im Vergleich zu den höheren Einkommen von Männern bei gleichwertiger Arbeit.

Der Unterschied zwischen Frauen- und Männereinkommen betrage nach wie vor knapp 25 Prozent. "Ein Zustand, der weder zeitgemäß noch tragbar ist", kritisiert Vondrasek.

EU-Kommission widerwillig

Abgesehen von dem ersten Schritt zu mehr Einkommenstransparenz in Österreich gilt es, weitere Maßnahmen zu setzen, um der tatsächlichen Vielfalt in der Beschäftigungsstruktur, insbesondere in den Führungsetagen der europäischen Wirtschaft, gerecht zu werden. Aber, so Vondrasek: "Es drängt sich geradezu das Bild auf, dass sich die EU-Kommission im Grünbuch zum ,Europäischen-Corporate-Governance-Rahmen‘ nur widerwillig damit auseinandersetzen will, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen seit Jahren unverändert niedrig ist."

Freiwillig geht nichts 

Die tatsächlich täglich gelebte Unternehmenspraxis ist entscheidend: "Freiwillige Verhaltensregeln haben lediglich dazu beigetragen, die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise noch weiter anzuheizen", so Vondrasek.

Die FSG-Frauen und der ÖGB treten daher dafür ein, dass Unternehmen öffentlich darlegen müssen, welche konkreten Maßnahmen gesetzt werden, um mehr Vielfalt in den Führungsgremien der europäischen Wirtschaft zu erreichen. Damit soll eine Ausgewogenheit hinsichtlich des Geschlechtes hergestellt werden. "Zudem bedarf es Kontrollmechanismen, die die tatsächlichen Aktivitäten auch prüfen", fordert Vondrasek zudem ein.

Fordere mehr - Neue Website "Lohngerechtigkeit"

Gemeinsam mit den SPÖ-Frauen haben die FSG-Frauen zum Thema Lohngerechtigkeit eine Website eingerichtet. Neben Informationen rund um den Equal Pay Day gibt es Best-Practice Beispiele und Erfahrungsberichte von Unternehmen sowie Veranstaltungen und Tipps. Mehr unter www.lohngerechtigkeit.at

Frauenquote von 0,9 Prozent

In Österreich gibt es einen erheblichen Missstand vor allem in Vorständen und in Aufsichtsräten: In der Geschäftsführung ist der Frauenanteil in den Top-200-Unternehmen laut der jüngsten Untersuchung von 2011 um beinahe einen Prozentpunkt von 5,3 Prozent (2010) auf 4,4 Prozent gesunken.

Besonders problematisch sei die Lage bei börsennotierten Unternehmen: Eine Untersuchung von Mitte 2011 zeigt deutlich, dass nur zwei weibliche Vorstände in börsennotierten Gesellschaften vertreten sind. "Das entspricht einer Frauenquote von 0,9 Prozent", kritisiert die FSG-Frauenvorsitzende.

Nur per Gesetz möglich

Mehr Vielfalt herrscht derzeit lediglich in jenen Ländern, in denen eine Frauenquote bereits gesetzlich verankert ist - zum Beispiel in Norwegen, Spanien, Frankreich und in den Niederlanden. Für Vondrasek ist damit klar: "Freiwillige Verhaltensregeln und reine Selbstverpflichtung der Unternehmen reichen daher nicht aus, um der Vielfalt in der Beschäftigungsstruktur Rechnung zu tragen."

TIPP: Neben aktiver Unterstützung und Beratung rund um Einkommensberichte & Co gibt es auf www.oegb.at/frauen unter "Einkommenstransparenz" ein umfassendes Angebot an Rechtsinformationen, praktischen Tipps und Materialien sowie Aktuelles zum Thema Entgeltgerechtigkeit.

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