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Sozialismus

oder vom Kampf um Gleichheit und Gerechtigkeit

Wenn sich mehrere SozialistInnen treffen und über ihre gesellschaftspolitischen Visionen und den Weg dorthin reden, müssen sie nicht unbedingt einer Meinung sein. Zu groß ist das Spektrum an Ideen, die sich unter dem Begriff "Sozialismus" sammeln.

Gegenmodell zum Kapitalismus
Der Sozialismus ist eine der im 19. Jahrhundert entstandenen drei großen politischen Ideologien neben Liberalismus und Konservatismus. Der Begriff war nie eindeutig definiert, und umfasst von Parlamentarismus und Demokratie akzeptierenden sozialdemokratischen, nur reformerischen Bewegungen bis zu revolutionär entstandenen, kommunistisch-totalitären Systemen viele Varianten. Sozialisten betonen die Grundwerte Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Ziel ist eine sozial gerechte Wirtschafts- und Sozialordnung. Dabei vertreten sie meist eine Gesellschaftsauffassung, die im Privateigentum der Produktionsmittel die Wurzel des Übels sieht und deshalb ihre Vergesellschaftung anstrebt. Ein kleinster gemeinsamer Nenner ist jedoch erkennbar: Der Sozialismus ist ein Gegenmodell zum Kapitalismus mit dem Ziel, eine gerechte Gesellschaft gleichberechtigter Menschen zu schaffen. Der Begriff ist jedoch uferlos ausgeweitet und wird für verschiedene politische Ziele ständig umdefiniert und angepasst.

Guter Wille oder Klassenkampf?
Seine Wurzeln hat der Sozialismus Anfang des 19. Jahrhunderts in Westeuropa. Intellektuelle wie Charles Fourier oder Robert Owen kritisierten die soziale Ungleichheit in der bürgerlichen Gesellschaft und entwarfen Pläne zur Gestaltung einer "Gesellschaft der Gleichen", die auf kollektivem Eigentum beruhen sollte. Sie hatten die Illusion, dass die ideale Gesellschaft durch die Einsicht und den guten Willen aller Menschen zu erreichen wäre. Erst Karl Marx und Friedrich Engels betrachteten den Klassenkampf als wichtigste Triebkraft für die Weiterentwicklung der Gesellschaft. Voraussetzung für die klassenlose Gesellschaft ist nach Marx die Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln in der Diktatur des Proletariats. Sowohl die sozialdemokratischen Parteien, als auch die kommunistischen, entwickeln sich aus diesen Überlegungen.

Reform oder Revolution?
Was aber den Weg zu dieser gerechten Gesellschaft gleichberechtigter Menschen angeht, gibt es innerhalb des Sozialismus zwei miteinander unvereinbare Strömungen: Während die einen eine soziale Demokratie im westlich-parlamentarischen Sinne anstreben und über Reformen soziale Missstände beseitigen wollen, meinen die anderen, dass die parlamentarische Demokratie nur ein Zwischenstadium auf dem Weg zu einer sozialistischen Demokratie ist und mit einer Revolution überwunden werden muss.

Zitiert
"Der größte Nutzen einer Einführung des Sozialismus läge ohne Zweifel darin, uns von der schmutzigen Notwendigkeit zu befreien, für andere zu leben, die momentan so schwer auf fast allen lastet." - Oscar Wilde
"Das Proletariat wird seine politische Herrschaft dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, alle Produktionsinstrumente in den Händen des Staats, d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats, zu zentralisieren und die Masse der Produktionskräfte möglichst rasch zu vermehren." - Karl Marx und Friedrich Engels
"Der Sozialismus ist ja in sich eine durchaus nachvollziehbare Idee. Er passt nur offenbar nicht zu den Menschen." - Wolfgang Schäuble
"Wir sind überzeugt, dass Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit, und Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität bedeutet." - Michail Bakunin

Sachbuch-Tipp:
Robert Kurz: Marx lesen! Die wichtigsten Texte von Karl Marx für das 21. Jahrhundert
Belletristik-Tipp:
Mario Vargas Llosa: Das Paradies ist anderswo

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