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Faschismus

oder von der teuflischen Kunst, zu lügen

Der Begriff Faschismus bezeichnete zuerst die von Benito Mussolini 1922 zur Macht geführte politische Bewegung in Italien. Von dort aus wurde der Begriff für ähnliche politische Strömungen und Systeme anderer Staaten, besonders in den Jahren 1920 bis 1945, verwendet. Unter dem Sammelbegriff Faschismus werden verschiedene historische und ideologisch-politische Richtungen eingeordnet, darunter der Nationalsozialismus. Es handelt sich meist um national- und sozialrevolutionäre Bewegungen mit totalitären Zügen.

Krise als Nährboden für Faschismus
Die Wirtschaftskrise zu Beginn der 30er Jahre machte Millionen Menschen in den europäischen Industriestaaten arbeitslos. Für viele Menschen bot sich der Faschismus als scheinbare "Lösung" für ihre Probleme an. 1933 schalteten die Christdemokraten in Österreich die Demokratie aus, in Deutschland kamen die Nationalsozialisten an die Macht. 1939 ging der Faschist Franco als Sieger aus dem Spanischen Bürgerkrieg hervor.

Autoritär und gewaltbereit
Einige Grundmotive charakterisieren faschistische Systeme. Die Gemeinschaftsideologie soll verschleiern, dass es soziale Gegensätze, etwa zwischen Unternehmern und ArbeitnehmerInnen gibt. Die Existenz von Klassen wird verneint und durch den Begriff der Nation ersetzt. Außenstehende Feindbilder, gegen die gemeinsam gekämpft werden müsse, sichern die Unterwerfung unter den Willen der politischen Führung. Nach dieser Logik kann die "Nation" nur von einer starken Führung gelenkt werden, wer nicht autoritätshörig ist und das Führerprinzip hinterfragt, gilt als "Volksschädling". Disziplin und Gehorsam, Treue und soldatische Ehre sind die Tugenden des Faschismus. Auf komplexe Fragen bietet der autoritäre Führer einfache Antworten. Vorurteile werden aufgegriffen und Sündenböcke als angebliche Wurzel allen Übels dargestellt. Der Faschismus bietet ein Weltbild, das auf der schlichten Teilung der Welt in Gut und Böse beruht.

Austrofaschismus - Die österreichische Variante
Der 12. Februar ist der 75. Jahrestag der Februarkämpfe. ArbeiterInnen hatten sich - weltweit zum ersten Mal - gegen die drohende Gefahr einer faschistischen Machtergreifung mit Waffengewalt zur Wehr gesetzt. Die Kämpfe, die in der Parteizentrale der Sozialdemokraten in Linz begannen, gaben der Welt das Zeichen, dass Faschismus und Diktatur keineswegs das unvermeidliche Schicksal bedeuteten, um aus der gigantischen Weltwirtschaftskrise der zwanziger und dreißiger Jahre herauszukommen. Allerdings standen dem sozialdemokratischen Schutzbund zwei gegnerische Armeen gegenüber: Das Bundesheer in der Hand des christlichsozialen Heeresministers und die christlichsozialen Heimwehren. Der Kampf war nicht zu gewinnen und endete mit einem Verbot der Sozialdemokratie und der Errichtung des Ständestaates.

Staatsstreich ging von Regierung aus
Der Staatsstreich wurde also in Österreich nicht von einer kleinbürgerlichen Massenbewegung getragen, sondern ging von der christlichsozial geführten Regierung und dem Staatsapparat selbst aus. Weder den Heimwehren, noch der später gegründeten Vaterländischen Front gelang es, zum Ausgangspunkt einer größeren Massenbewegung zu werden. Auch der Versuch, die Gesellschaft durch eine Neuordnung nach Berufsständen (ArbeiterInnen und Unternehmer in gemeinsamen Organisationen) organisatorisch zu durchdringen, schlug fehl. Ein Grund für dieses Scheitern war, dass weder Engelbert Dollfuß noch sein Nachfolger Kurt Schuschnigg über die rhetorischen Fähigkeiten der Demagogen Mussolini und Hitler erreichten. Der Ständestaat verstand sich zwar als Mauer gegen den Nationalsozialismus. Die Regierung versuchte jedoch nicht, die drohende Gefahr für die Existenz Österreichs durch einen historischen Kompromiss mit dem innenpolitischen Gegner, den Sozialdemokraten zu verhindern. Dass der Austrofaschismus schließlich dem Nationalsozialismus erlag, ist auch darauf zurückzuführen, dass er in keiner Massenbewegung verankert war.

Zitiert:
"Man kann sagen, dass der Faschismus der alten Kunst zu lügen gewissermaßen eine neue Variante hinzugefügt hat - die teuflischste Variante, die man sich denken kann - nämlich: das Wahrlügen." - Hannah Arendt
"Wir Deutschen sind ja berüchtigt dafür, dass wir immer fremde Völker erziehen wollen, während in unserem eigenen Lande der Faschismus zur Herrschaft kam und wir nicht genug gegen ihn gekämpft haben, - was doch unsere Hauptaufgabe gewesen wäre." - Ludwig Renn

Sachbuch-Tipp:
Brigitte Kepplinger (Hg.) Es wird nicht mehr verhandelt. Der 12. Februar 1934.
Belletristik-Tipp:
George Orwell: Mein Katalonien. Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg

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