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Konservativismus

oder waren unsere Vorfahren wirklich gescheiter als wir?

Der Konservativismus ist neben dem Liberalismus und dem Sozialismus eine der drei politischen Grundströmungen, die sich im 19. Jahrhundert herausgebildet haben. Konservative treten bis heute dafür ein, dass das, was sich - in ihren Augen - bewährt hat, nicht "modischen Zeitströmungen" zuliebe einfach über Bord geworfen wird. Sie sind für notwendige Erneuerungen, aber gegen umstürzende Veränderungen. Von Revolutionen halten Konservative wenig. 

Herrschende politische Ordnung bewahren
Dabei war es gerade die Französische Revolution, die quasi als Nebenwirkung den Konservativismus hervorbrachte. Schockiert von den Umbrüchen in der Gesellschaft und ihren Auswirkungen formierte sich eine politische Strömung, deren Ziel das Bewahren traditioneller Strukturen ist. Gegen den Umsturz der Verhältnisse betont der Konservativismus die "gute und bewährte Ordnung". Die drei wichtigsten Prinzipien des Konservativismus sind Identität, Sicherheit und Kontinuität.

Traditionen wahren
Der Konservativismus betont eine "natürliche", "gottgegebene", hierarchische Gesellschaftsordnung. Diese Gemeinschaft ist geprägt von Tradition, Brauchtum, Gewohnheit und Bindung. Der Konservativismus ist also eine Weltanschauung, die die Stärken der Tradition hervorhebt, die herrschende politische Ordnung bewahrt und die vorgegebene Verteilung von Macht und Reichtum vor Kritik schützt.

Der Gegner bestimmt die Ausrichtung
Damit steht der Konservativismus im Gegensatz zum Liberalismus und zum Sozialismus - gegen die sich der Konservatismus auch explizit richtet. Immerhin ist diese politische Ideologie ja aus dem Widerstand gegen gesellschaftliche Veränderungen entstanden. Ein einheitliches konservatives Denken existiert nicht, der Konservativismus gewinnt seine inhaltliche Kontur hauptsächlich in der Auseinandersetzung mit seinen Gegenspielern, dem Liberalismus und dem Sozialismus. Im 19. Jahrhundert trat er vor allem als Verteidiger ständischer Interessen, tradierter Lebensweisen, politischer Institutionen und religiöser Glaubensüberzeugungen auf.

Was konservativ ist, ist relativ
Was heute "konservativ sein" genau bedeutet, hängt also immer vom Zusammenhang und von den existierenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Seit den 1980er Jahren wird zwischen Strukturkonservativismus, der eine politische oder organisatorische Ordnung gegen Kritik verteidigen will. Die Verteilung von Macht und Ressourcen, die sich aus dieser Ordnung ergibt, soll geschützt werden. Diese Form des Konservativismus tritt auch in eher linken Gruppen auf. So ist zum Beispiel auch der Einsatz der Gewerkschaft gegen Privatisierung verstaatlichter Unternehmen strukturkonservativ. Wertkonservativismus hingegen verteidigt gewisse inhaltliche Positionen, wie zum Beispiel die Bedeutung der Familie. Um diese Werte durchzusetzen, sind Konservative unter Umständen auch bereit, Strukturen zu verändern, wie etwa durch eine Änderung des Steuerrechts zu Gunsten von Familien.

Auch Linke können konservativ sein
Konservativismus ist also keineswegs nur auf rechts stehende politische Parteien beschränkt, konservatives Denken findet sich in verschiedensten Bereichen. Das Spektrum reicht vom Festhalten an der Neutralität Österreichs von Seiten der SPÖ über die Ablehnung technischen Fortschritts, wie etwa der Gentechnologie, die von Grünen und ökologischen Bewegungen vertreten wird, bis zu religiösen Überzeugungen, wenn mit dem Verweis auf göttlichen Willen und die Unantastbarkeit menschlichen Lebens das Verbot von Abtreibung und Reproduktionsmedizin gefordert wird.

Zitiert:
"Neigung zum Erhalten und Geschicklichkeit beim Verbessern machen zusammen nach meiner Ansicht den großen Staatsmann aus." Edmund Burke, erster herausragender Vertreter des Konservativismus

"Konservativ ist eine Vorfahrtsregel für das Bestehende, das sich nicht gegen das Neue absperrt, ihm aber die Beweislast überträgt, dass es besser ist als das Alte." Norbert Blüm

"Ein moderner Konservativismus wird den Gedanken des Vaterlandes und jedes Heimatgefühl fördern. Er hält deshalb die Gedanken des Föderalismus und der Bundesländer hoch und wird sich - im Konfliktfalle mit dem Nationalstaat - für diese entscheiden." Prof. Michael Rutz

Sachbuch-Tipp:
Klaus von Beyme: Politische Theorien im Zeitalter der Ideologien.

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