topimage
Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen
Logo FSG
Facebook

Feminismus

oder von Frauen, die sich nicht unterdrücken lassen

Mit dem Feminismus ist es so eine Sache. Sagt eine Frau, dass sie eine ist, dann kriegen viele Leute (vor allem solche, die keine Frauen sind) Angst. Das ist faktisch völlig unerklärlich, denn Frauen verdienen um ein Drittel weniger als Männer, sind in Führungspositionen unterrepräsentiert und machen immer noch einen Großteil der Arbeit, die nicht bezahlt wird. Wie zum Beispiel zu Hause kochen, waschen und putzen.

Die Einkommenschere ist in den vergangenen Jahren sogar größer geworden, von einer Übernahme der Weltherrschaft sind die Feministinnen und ihre Freundinnen, die Emanzen, also noch weit entfernt. Feministinnen wollen eigentlich nur die Benachteiligungen von Frauen bekämpfen. Und dabei gehts gar nicht um Männerhass, sondern um Gerechtigkeit.

Männerfeindlich und frustriert?

Trotzdem gibt es viele Vorurteile gegenüber Feministinnen und sogenannten Emanzen. Die kriegen nur keinen Mann und sind deshalb frustriert, oder sie sind männerfeindlich und bekämpfen die Männer deswegen aus Prinzip, sagen noch immer manch einfach gestrickte Geister. Fakt ist: Feministinnen sind nicht hässlicher, hübscher, dicker, dünner, frustrierter oder fröhlicher als der Durchschnitt. Es sind ganz einfach Frauen, denen es nicht geheuer ist, dass sie Nachteile haben, nur weil sie zufällig eine Frau sind. Und die wollen, dass sich das ändert.

Gegen Unterdrückung

Aber was ist Feminismus eigentlich? Der Feminismus (vom lateinischen Wortstamm femina = Frau) ist eine Ideologie, der sich gegen jede Art von Unterdrückung richtet, aber die Frauen hervorhebt, weil diese von anderen -ismen oft vergessen werden. Der Feminismus macht sich für die Interessen von Frauen stark. Er zielt auf eine verbesserte Lage der Frau und eine faktische Gleichstellung in allen Bereichen der Gesellschaft. Selbstbestimmung, Gewissensfreiheit, aber vor allem die Gleichberechtigung der Geschlechter gelten als wichtige Ziele des Feminismus. Die Rollen der Frau in der Gesellschaft sollen verändert werden.

Eh längst gleichberechtigt?

Wählen dürfen Frauen in Österreich seit 1918. Erst seit den 1970er-Jahren gibt es keine "Männerlohngruppen" und "Frauenlohngruppen" mehr. Und sie müssen nicht mehr ihren Ehemann fragen, ob sie arbeiten gehen dürfen. Was jungen Frauen heute selbstverständlich erscheint, haben sich deren Mütter und Großmütter noch mühsam erkämpfen müssen. Frauen seien ja eh längst gleichberechtigt, sie müssten nur tüchtig sein, dann können sie alles erreichen, heißt es heute manchmal. Der Feminismus habe längst ausgedient, das sei nichts für junge, moderne Frauen, die selbstbewusst ihren Weg gehen.

Schieflage

Zweifel an dieser Theorie sind berechtigt: Denn so lange typische Frauenberufe deutlich schlechter bezahlt, berufstätige Frauen Rabenmütter geschimpft werden, und jungen Mädchen suggeriert wird, dass sie ohne 90-60-90-Kurven keinen Erfolg im Leben haben werden, ist es offensichtlich, dass in punkto Gerechtigkeit irgendetwas gewaltig schief läuft. Und dass den Frauen Chancengleichheit und Gleichberechtigung nicht am Silbertablett serviert werden, wenn sie nicht dafür kämpfen, ist eigentlich auch klar.

Feminismus und Sozialismus

Weil der Feminismus ja das Ziel hat, die Gesellschaft zu verändern, ist er auch eine politische Bewegung. Frauen sollen nicht mehr unterdrückt werden, sondern die Geschlechter einander ebenbürtig sein. Über ihr Leben und ihren Körper sollen Frauen selbst bestimmen können. "Ohne Feminismus kein Sozialismus, ohne Sozialismus kein Feminismus", diesen Ausspruch haben sozialistische Frauenrechtlerinnen geprägt, die im Gegensatz zu bürgerlichen Feministinnen davon ausgehen, dass in einer kapitalistischen Gesellschaft Gleichberechtigung nicht möglich ist.

Gleich oder anders?

Zwei große Denkmuster lassen sich innerhalb der feministischen Theorie unterscheiden: Viele Feministinnen gehen davon aus, dass es kein "typisch männlich" und "typisch weiblich", sondern nur durch geschlechtsspezifische Sozialisation und Aufgabenteilung begründete Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Den Menschen soll es demnach möglich sein, nach ihren individuellen Fähigkeiten und Vorlieben zu leben, statt nach gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen. Die andere Strömung beruft sich auf den Unterschied der Geschlechter, auf die Differenz. Sie halten den Unterschied zwischen Frauen und Männern für unabänderlich. Auch sie treten für Gleichberechtigung ein, wollen aber den bestehenden Unterschied nicht aufheben, sondern umwerten.

Übrigens: Es gibt auch Feministen. Das sind Männer, die es auch ungerecht finden, dass Frauen wegen ihres Geschlechts benachteiligt werden und sich deshalb für Gleichberechtigung einsetzen.

Zitiert
"Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: alle dummen Männer." - Marie von Ebner-Eschenbach

"Die Gleichberechtigung ist erst dann erreicht, wenn auch einmal eine total unfähige Frau in eine verantwortliche Position aufgerückt ist." - Agata Capiello

"Feminismus existiert nur, um hässliche Frauen in die Gesellschaft zu integrieren." - Charles Bukowski

"Es ist mir nicht gelungen, den Feminismus zu definieren. Alles, was ich weiß, ist dies: Ich werde von Leuten als Feministin bezeichnet, wenn ich mich nicht mit einem Fußabtreter verwechseln lasse." - Rebecca West, 1913

"Feministin zu sein bedeutet nichts anderes, als nicht zu glauben, dass Frauen Menschen zweiter Klasse sind." - Geena Davis

Buch-Tipps:
Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht
Mirja Stöcker: Das F-Wort. Feminismus ist sexy

Artikel weiterempfehlen

Teilen |