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Kapitalismus

Oder die Mutter aller Krisen

Einige wenige leben im Luxus, ohne dafür arbeiten zu müssen. Andere arbeiten sich krumm und kommen kaum über die Runden. Eine fast schon banale Feststellung, mit der es kaum noch möglich ist, jemanden aufzurütteln: Leben wir doch tagtäglich - wie selbstverständlich - in einer Gesellschaftsordnung, die Ungleichheit produziert.

Und obwohl der Kapitalismus eine ungerechte Ordnung ist, der die Gesellschaft in Besitzende und Nicht-Besitzende teilt, hegen nur wenige revolutionäre Gedanken. Von einem umsturz sind wir meilenweit entfernt. Die Menschen haben sich an den Kapitalismus gewöhnt. Spätestens mit dem untergang des Sozialismus in Osteuropa lautet der Mainstream in der öffentlichen Diskussion: es gibt keine Alternative zum Kapitalismus, man kann ihn bestenfalls bändigen. Das darf bezweifelt werden. Aber was meinen wir eigentlich, wenn wir vom Kapitalismus reden?

Geld regiert die kapitalistische Welt

Mit Kapitalismus wird eine Wirtschaftsordnung bezeichnet, in der der Faktor Kapital die wichtigste Rolle spielt. Geld, aber auch Maschinen, Anlagen und Fabriken haben eine höhere Bedeutung als der Faktor Arbeit. eine der Grundlagen des Kapitalismus ist eine Eigentumsordnung, die die freie Verfügung über das Privateigentum - auch an Produktionsmitteln - schützt. Eine weitere Voraussetzung ist ein von staatlichen Eingriffen weitgehend freies Wirtschaftssystem.

Die Marktmechanismen, Angebot und Nachfrage, steuern das System. Und je weniger der Staat eingreift, desto besser entfaltet sich der Kapitalismus: Er schafft riesige Anhäufungen von Kapital und öffnet der Ausbeutung der Arbeitenden Tür und Tor. Interessengegensätze und Verteilungskämpfe zwischen Arbeit und Kapital sind damit die ständigen Begleiter des Kapitalismus.

Zum Schleuderpreis

"Mehr Privat, weniger Staat", so lautet ein beliebter Ausspruch, der in schwarzblauen Regierungsjahren berühmt wurde. Der Markt regle sich selbst. Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft? - Unerwünscht. Der Sündenfall Austria Tabakwerke, die zu einem Schleuderpreis an private Investoren ging, die sich nun eine goldene Nase verdienen, ist Ausgeburt dieser Politik. Einige Jahre und eine Finanzkrise später ist klar, wohin ungezügelte Kapitalmärkte führen.

Die Weltwirtschaftskrise offenbart die Schwächen des Kapitalismus - und die ungeheuren Folgewirkungen einer Krise des Geldapparates auf die gesamte Wirtschaft. Und jene, die dem freien Markt und der Privatisierung das Wort geredet haben, sind plötzlich gar nicht mehr prinzipientreu, wenn es darum geht, Verluste abzuwälzen. Auf den verpönten Staat, der angeblich nicht wirtschaften kann. Und damit auf die Gemeinschaft, auf die SteuerzahlerInnen.

Kapitalismus pur gescheitert

Der Kapitalismus produziert Krisen. Er müsse geregelt und gezügelt werden, sagen heute sogar die einstigen Privatisierungsfanatiker. Der Kapitalismus ist auch viel weniger effizient als viele meinen. Zwar zwingt der Kampf "Jeder gegen jeden" zu Effizienzsteigerungen in der Wirtschaft. Dahinter verbirgt sich aber die Ausbeutung der ArbeiterInnen. Dazu kommt, dass vieles in Kooperation effizienter gelöst werden könnte als im Wettbewerb.

Oft endet der Kampf zwischen Unternehmen der gleichen Sparte mit Übernahmen. Riesige, marktbeherrschende Konzerne mit Quasi-Monopolstellung entstehen. Und der Markt hat einmal mehr versagt. Wer aber das kapitalistische System kritisiert, wird von jenen, die keine Alternative zum Kapitalismus sehen, gern in eine antidemokratische Schublade gesteckt.

Immer Mehr Rechte für Reiche

Dabei ist das Verhältnis des Kapitalismus zur Demokratie sehr problematisch. Wer reich ist, hat im Kapitalismus mehr Rechte. In Aktienkonzernen etwa bedeutet eine Aktie eine Stimme. Wer mehr Aktien hat, hat mehr Einfluss. Aber auch Privatisierungen zum Beispiel im Bildungswesen führen zu ungleichen Chancen und in weiterer Folge zu weniger Einfluss für Arme. Geld regiert einfach die kapitalistische Welt. Wenn eine politische Gruppe ohne Geld zur Wahl antritt, hat sie fast schon verloren, weil sie keine Chance hat, die teure Materialschlacht am Werbemarkt mitzumachen. Die Krise gehört beim Kapitalismus zum System. Und trotzdem erleben gerade jene Parteien, durch deren Politik die Krise erst möglich wurde, einen Wahlerfolg nach dem anderen.

Zitiert:
"Eigentum ist Diebstahl", Pierre-Joseph Proudhon, Soziologe

Buch-Tipp:
Robert Kurz: Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft

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